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Die Druckversion der Filmwirtschaftsberichte:
Filmwirtschaftsbericht

Das Österreichische Filminstitut ist durch das Filmförderungsgesetz 2005 verpflichtet, einen jährlichen Bericht über die Gesamtsituation der österreichischen Filmwirtschaft zu erstellen. Der Filmwirtschaftsbericht für das Jahr 2005 ist somit der zweite Jahresbericht.

Gegenüber dem ersten Bericht 2004 ist der vorliegende Filmwirtschaftsbericht nicht nur umfangreicher, auch die Qualität der Daten konnte in wesentlichen Bereichen deutlich gesteigert werden. Durch die Kooperation mit Nielsen EDI wurde der internationale Standard der Messung der Kinobesucher nun auch in Österreich eingeführt. Das bringt nicht nur in der nationalen Analyse des Films in Österreich deutliche Vorteile, es führt vor allem dazu, dass nun auch auf europäischer Ebene der Film in Österreich mit verlässlichen Daten erfasst wird. Für eine umfassende Darstellung der österreichischen Filmwirtschaft müssen aber auch Fremddaten verwendet werden, wie z.B. die DVD-Auswertung, die mangels ausreichender Datenlage auf Schätzungen basieren.

Die bisherigen, aber auch die geplanten Neuerungen sind nicht zuletzt auf die konstruktive Kritik auf den ersten Filmwirtschaftsbericht 2004 zurückzuführen. Bei aller Selbstreflexion sind Anregungen und Kritik von außen hilfreich und willkommen, soll doch der Filmwirtschaftsbericht Politik wie Branche als analytische Basis für eine zukunftsorientierte gemeinsame Filmpolitik dienen.

Die Filmwirtschaft
Nach Jahren, in denen nach Angaben des Fachverbands der Audiovisions- und Filmindustrie (FAFO) die Filmwirtschaft deutlich über 200 Mio. Euro Umsatz erzielte, lag 2005 der Gesamtumsatz der Branche zum zweiten Mal deutlich unter 200 Mio. Euro und damit (nominell) auf dem Niveau von 1998. Der Anteil des Kinofilms liegt dabei laut FAFO bei etwa 13%. Innerhalb der 87% Umsatzanteil, die auf Auftragsproduktionen entfallen, nehmen den weitaus größten Anteil Auftragsproduktionen des Fernsehens und hier des ORF ein.

Seit 1994 ist die Filmproduktion ein freies Gewerbe. Durch diese Liberalisierung stieg die Anzahl der vom Fachverband der Audiovisions- und Filmindustrie erfassten Unternehmen von 618 auf 2.824 (Ende 2005). Eine überwältigende Mehrheit (74%) dieser Unternehmen stellen allerdings Einpersonenunternehmen (EPU) dar. Nach Angaben des Fachverbandes waren 2005 rund 2.000 Unternehmen tatsächlich aktiv.

Die gesamte Filmwirtschaft beschäftigte im Berichtsjahr 4.500 unselbstständig Erwerbstätige. Auf die Produktion alleine entfallen Filmwirtschaft davon rund 2.500. Nicht berücksichtigt sind dabei alle atypischen (für den Film aber symptomatischen) Beschäftigungsverhältnisse und natürlich auch nicht die Subauftragsverhältnisse, die von EPUs mit Gewerbeschein erbracht werden.

Im Jahr 2005 wurden 30 österreichische Kinofilme erstaufgeführt, davon 13 Spielfilme, von denen fünf rein österreichische Produktionen und weitere vier majoritäre Koproduktionen waren. Von den 17 Dokumentarfilmen waren 12 rein österreichische Produktionen und drei mehrheitlich österreichische Koproduktionen. Zwei Drittel der Finanzierungen bilden die Herstellungsförderung. Damit wird neuerlich bestätigt, dass in Österreich der Kinofilm ohne Förderung nicht lebensfähig wäre.

Die Produktion der 2005 erstaufgeführten Filme teilt sich auf insgesamt 21 Produktionsfirmen auf. 14 davon haben in diesem Jahr lediglich einen einzigen Film ins Kino gebracht.

Der ORF vereinbarte 2005 Auftragsproduktionen mit inländischen Produktionsfirmen im Ausmaß von etwas über 85 Mio. Euro. Das entspricht aber nicht unbedingt den tatsächlichen Geldflüssen, da hier nur die Vertragssummen für Auftragsproduktionen des ORF (bzw. der vom ORF verwalteten Koproduktionsgelder) enthalten sind, nicht aber die tatsächlichen Auszahlungen und auch nicht die Ankäufe von eigenproduzierten Werken.

Mit diesen 85 Mio. Euro liegt das Vergabevolumen des ORF um 14% unter dem Wert für 2004 aber 23% über dem Wert aus 2003.

Die Beauftragungen durch den ORF erfolgen deutlich asymmetrisch: Während 50% des Volumens auf vier Unternehmen entfallen teilen sich 56 Unternehmen 5% des Auftragsvolumens.

Verwertung
Die Verwertung eines Filmes erfolgt in mehreren Schritten, wobei für die nach dem Filmförderungsgesetz geförderten Filme eine zeitlich gestaffelte Folge bestimmt ist: Beginnend mit dem Kino wird der Film in weiterer Folge als Bildträger (DVD, Video) verkauft bzw. vermietet, danach folgen nacheinander Pay-Per-View, Pay-TV und letztlich Free TV. Um den tatsächlichen Erfolg eines Films beurteilen zu können sind daher die Besucherzahlen im Kino bzw. die Umsätze aus box office, Verkauf, Vermietung und die Marktanteile bzw. Zuseherzahlen im TV zu summieren.

Seit rund 10 Jahren hat die so genannte „Sekundärverwertung“, also die Erzielung von Einnahmen nach der Verwertung im Kino, die Verwertung im Kino deutlich überholt. Grundsätzlich werden also im Bereich der Fernsehausstrahlung und der Verwertung von DVD bzw. Videokassette (Verkauf oder Vermietung) deutlich höhere Umsätze als im Kino erzielt, Tendenz steigend.

Im Jahr 2005 sanken die Besucherzahlen in Österreich, dem europäischen Trend entsprechend, nach Jahren des Aufschwungs um 18% auf 15,1 Mio. Besucher; das ist der schwächste Wert seit 1999. Der Umsatz an den Kinokassen sank damit ebenfalls deutlich auf rund 95 Mio. Euro.

Diesem Besucher- und Umsatzrückgang steht ein deutlich höheres Angebot an Filmen gegenüber. 2005 wurden 334 Filme in die österreichischen Kinos gebracht, das sind um 54 Filme mehr als im Jahr davor. 112 dieser Filme stammen aus den USA und erreichen mit mehr als 11 Mio. Besuchen einen Marktanteil von deutlich über 70%.

Die Dominanz der (US-) Majors ist im Verleih noch deutlicher: Die sechs größten Verleiher sind Majors, die gemeinsam 86,3% Marktanteil bei den Kinobesuchen erzielen.

Während die Anzahl der Kinobetriebe geringfügig gesunken ist - von 176 im Jahr 2004 auf 173 im Jahr 2005 - ist die Zahl der Kinosäle von zuletzt 560 auf mittlerweile 569 gestiegen. 2005 waren erst 12 Säle mit digitaler Projektionstechnik ausgestattet.

Das Kinopublikum ist zwar nach wie vor eher jung, allerdings ist mittlerweile jeder fünfte Kinobesucher über 40 Jahre alt.

Mit 2,7% Marktanteil für nationale Produktionen nimmt Österreich in Europa eine der hinteren Positionen ein. Während andere Länder von der Schwäche der US-Industrie 2005 durch Zuwächse für nationale Filme profitieren konnten, war das in Österreich nicht der Fall.

In der internationalen Auswertung aber konnte der österreichische Film (vor allem durch „Caché“ und „Darwin’s Nightmare“) mit mehr als 1,3 Mio. Besuchern in Europa und zusätzlichen rund 700.000 Besuchern in den USA beachtliche Erfolge erzielen.

Für Österreich liegen keine verlässlichen Zahlen zu den Umsätzen aus Vermietung und Verkauf von DVD (Videokassetten sind in ihrer Bedeutung bereits weit abgeschlagen) vor. Aufgrund von Schätzungen kann aber von einem Umsatz von 170 Mio. Euro für Vermietung und Verkauf von Video/DVD ausgegangen werden (der überwiegende Anteil von etwa 80% entfällt dabei auf den DVD-Kaufmarkt). Die bessere Darstellung dieses nun wichtigsten Verwertungsschrittes soll in den kommenden Filmwirtschaftsberichten auf eine neue Datenbasis gestellt werden.

Im ORF konnten sechs geförderte österreichische Produktionen jeweils mehr als eine Million Zuseher erreichen. Dazu kommen aber zahlreiche weitere Filme und vor allem Serien, die jeweils gegen internationale Konkurrenz bestehen konnten.

Filmpreise
Die Auswahl österreichischer Filme zur Teilnahme an internationalen Filmfestivals hatte in den letzten Jahren eine stark steigende Tendenz, dies gilt auch für Preise und Auszeichnungen.

Von den insgesamt 47 Preisen, die die Austrian Film Commission für 2005 auflistet, sind insbesondere die Preise für „Caché“ in Cannes und bei den European Film Awards sowie die Preise für Nikolaus Geyrhalters „Unser Täglich Brot“ und Hubert Saupers „Darwin’s Nightmare“ hervorzuheben.

Förderungen
Die Eigenproduktion von Kinofilmen ist ohne Förderungsmittel europaweit nicht möglich, da die Erlöse aus allen Verwertungen die Kosten der Herstellung nicht annähernd abdecken. In den meisten Ländern Europas wird daher die Förderung des nationalen Films als staatliche Aufgabe angesehen, die neben der Produktion eines Films auch dessen Umfeld miteinbezieht.

In Österreich etablierte sich ab 1980, mit dem Beschluss des Filmförderungsgesetzes und der Einrichtung des Österreichischen Filmförderungsfonds (heute: Filminstitut) eine staatliche Filmförderung, die den Film sowohl als kulturelles als auch wirtschaftliches Gut erfasst. Die alleine auf künstlerische Aspekte zielende Förderung von Film und filmkulturellen Einrichtungen besteht seit 1973.

Ergänzt wird die Filmförderung des Bundes durch eine Filmfinanzierung des Österreichischen Rundfunks, in Form des zwischen Filminstitut und ORF abgeschlossenen Film/Fernseh-Abkommens. Der ORF stellt dabei zur Mitfinanzierung der Herstellungskosten österreichischer Kinofilme jährlich 5,96 Mio. Euro zur Verfügung, 0,56% der Jahresgesamterträge des ORF in Höhe von 1.064,5 Mio. Euro.
Darüber hinaus trug der ORF 2005 mit einem Betrag von insgesamt 448.200 Euro zur Promotion des österreichischen Kinofilms bei (darin enthalten sind Jahresförderung für Austrian Film Commission und Diagonale, Durchführung von Kinopremieren und Einsätze von Trailern im österreichischen Fernsehen).

In den Bundesländern existieren Filmförderungen meist in den Kulturabteilungen der Landesregierungen. Schwerpunkt ist die Herstellungsförderung mit kulturellem Regionalbezug und wirtschaftlichen Regionaleffekten.

Für die im Filmwirtschaftsbericht aufgenommenen filmfördernden Institutionen, die kontinuierlich nach kulturellen und wirtschaftlichen Aspekten tätig sind, wurden die Jahresbudgets erstmals erfasst.

Von insgesamt 32 geförderten Kinofilmen (erstmalige Nennung) ist exakt die Hälfte dem Dokumentarfilm zuzuordnen. Die Internationalisierung des Filmschaffens zeigt sich auch daran, dass von 16 geförderten Spielfilmen, 12 Filme internationale Koproduktionen sind, darunter jedoch 5 Minderheitsproduktionen ohne wesentlichen inhaltlichen Österreichbezug. Im Dokumentarfilmbereich hingegen sind von den 16 Filmen immerhin 12 rein österreichisch finanzierte Filme.

2005 standen den Förderstellen in Summe 36,6 Mio. Euro zur Verfügung. Die höchsten Budgets weisen das Filminstitut (9,6 Mio.), der Filmfonds Wien (8 Mio.) der Fernsehfonds Österreich (7,5 Mio.) und das ORF-Film/Fernseh-Abkommen (6 Mio.) auf. Diese Beträge decken sich nicht zwangsläufig mit den Zusagevolumen und noch weniger mit den tatsächlich ausgezahlten Beträgen, da Berichtsjahr und Dauer einer Produktion nur sehr selten zusammenfallen.

In Summe erhielt die österreichische Filmwirtschaft 2005 Zusagen in der Höhe von knapp 37,2 Mio. Euro, wovon mit 85% der Löwenanteil auf die Produktion entfiel. Förderzusagen erhielten 2005 erstmalig 155 Filme, davon 32 Kinofilme, 82 Fernsehfilme und 41 sonstige Filme (vorwiegend Produktionen mit weniger als 60 Minuten Spieldauer). Im Vergleich zum Vorjahr ist das ein Rückgang von mehr als einer Mio. Euro oder 3%, in erster Linie wegen geringerer Mittelzusagen durch den Filmfonds Wien.

Tatsächlich ausbezahlt wurden 2005 31.8 Mio. Euro. Wie auch bei den Zusagen entfallen die größten Summen auf Filminstitut, Fernsehfonds Austria und Filmfonds Wien. Gegenüber dem Jahr 2004 bedeutet das einen Anstieg um 34%, zurückzuführen vor allem auf die Auszahlungen des Fernsehfonds Austria.

Erstmals wurde der Fernsehfilm deutlich höher gefördert als der Kinofilm. Während an den Kinofilm insgesamt rund 10,5 Mio. Euro ausgeschüttet wurden, gingen ca. 13,9 Mio. Euro an Fernsehproduktionen, an Serien etwa 2,4 Mio. Euro.

Filmförderung in Europa
Das MEDIA Programm (Measures to Encourage the Development of the Audiovisual Industry) ist das Förderprogramm der EU zur Unterstützung der audiovisuellen Industrie in Europa.
2005 wurden aus dem MEDIA Programm in Österreich 1,751 Mio. Euro ausgeschüttet, vorwiegend für Verleihförderung, aber auch für Entwicklung.

EURIMAGES, 1988 als Teilabkommen des Europarates gegründet, fördert Spiel- und Dokumentarfilme, Kinder- und Animationsfilme die als europäische Koproduktionen produziert werden. Bei der Förderung handelt es sich um eine Spitzenfinanzierung.
Neben der Herstellung unterstützt EURIMAGES auch den Verleih von europäischen Kinofilmen in Ergänzung zum MEDIA-Programm der Europäischen Union.

2005 betrugen die Mittel von EURIMAGES 21,1 Mio. Euro, aus Beitragszahlungen der Mitgliedsländer, die sich aus dem BIP errechnen, und Rückzahlungen der geförderten Projekte. Der österreichische Mitgliedsbeitrag belief sich auf 450.007 Euro und stellt damit 2,32% der Beitragszahlungen aller Länder dar. Projekten mit österreichischer Beteiligung wurden 2005 Förderungen in Höhe von 1.746.000 Euro zugesagt, davon wurden österreichischen Produzenten Förderungsmittel in Höhe von 643.630 Euro bewilligt.

Das europäische Umfeld
Die Produktion von Filmen im Jahr 2005 in der EU belief sich auf 798 Filme, eine Steigerung um 37 Produktionen. Nahezu alle erfassten Länder melden Steigerungen, Spanien, Frankreich und Deutschland erreichten Rekordmarken.

Dieser Steigerung der Produktion stehen drastisch sinkende Besucherzahlen gegenüber. In Europa musste Österreich - neben Tschechien, Slowakei, Polen und Deutschland die höchsten Besucherrückgänge hinnehmen.

Der Marktanteil europäischer Filme am Besuchermarkt beträgt stabil rund 25%. Der US-Marktanteil erreicht knapp 60%, rechnet man Filme mit US-Finanzierungsbeteiligung dazu, so beträgt der Marktanteil der amerikanischen Filmindustrie in Europa über 73%.

Angesichts der rückläufigen Besucherzahlen aufgrund der Schwäche US-amerikanischer Produktionen konnten etliche europäische Länder die Marktanteile der nationalen Filme steigern. Dänemark erzielte einen nationalen Marktanteil von 32%, Großbritannien und Irland erreichten 33%, Italien 25%. Auch mit Österreich vergleichbare Länder wie z.B. die Schweiz konnte ihren nationalen Marktanteil auf
6% verbessern. Angesichts dieser Werte sind 2,7% Marktanteil des österreichischen Films ernüchternd.

Unser besonderer Dank gilt daher all jenen, die uns mit Ihrem Wissen und Ihrer Zeit geholfen haben, die Datenqualität des nunmehr zweiten Filmwirtschaftsberichtes auszuweiten und zu verdichten und somit wesentlich dazu beigetragen haben, den „work in progress“-Charakter des Filmwirtschaftsberichtes entscheidend zu verbessern.

Für Ihre wirklich außerordentliche Unterstützung möchte ich mich speziell bedanken bei:
Europäische Audiovisuelle Informationsstelle: Susan Newman-Baudais
Fachverband der Audiovisions- und Filmindustrie: Werner Müller, Doris Hauer
Fachverband der Lichtspieltheater und Audiovisionsveranstalter: Kurt Kaufmann
Nielsen EDI GmbH: Bernd Zickert
ORF: Regina Feist, Erich Feichtenschlager
sowie bei allen Institutionen und deren Mitarbeitern, die uns in zum Teil akribischer Kleinarbeit Ihre Daten zu Verfügung gestellt haben.